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Demut

Wein zu machen heißt zu verstehen, mit der Natur und ihren Besonderheiten umzugehen. In aller Bescheidenheit.

Eine Familie
zwischen ich und wir

Familien sind die Summe ihrer Individuen und ihrer persönlichen Erfahrungen. Manfred Tement war jung, als er nach dem viel zu frühen Tod das Vaters den kleinen Weinbaubetrieb übernahm. Drei Hektar rechts und links des Hauses und um einiges früher als geplant. Der gute Ruf des Vaters waren das einzige Startkapital. Über die Jahre ist viel entstanden. Manches ist gekommen, anderes gegangen, eines ist jedoch immer geblieben: die Liebe zum Wein, dieser ganz besonderen Region und das Bekenntnis zu bedingungsloser Qualität.

Grundsätze die Armin und sein Bruder Stefan im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer DNA tragen. Sie gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Brüder bewegen und gelernt haben sich zu entwicklen. Nur so ist es möglich jenen Weg zu finden, in dem die Beständigkeit ebenso ihren Platz hat, wie die Veränderung. Denn Menschen die nichts anderes tun, als bloß das fortzusetzen, was ihre Vorfahren begonnen haben, bleiben in deren Bann, ohne Möglichkeit das Eigene zu sehen.

Manfred Tement

Manfred Tement

Er ist der mit dem alles begann und er brennt immer noch. Für seine Familie, die Steiermark und seine Idee von Sauvignon Blanc.

Manfred, wir sitzen hier inmitten eurer Weinberge. Was ist das für ein Gefühl, wenn man bedenkt, dass Du damals vor über 40 Jahren klein angefangen hast? Was war und ist Dein persönlicher Antrieb?

Es mag seltsam klingen, aber mein Antrieb hat sich über die Jahre kaum verändert. Mein Vater hat mir den Betrieb schmackhaft gemacht. Er hatte schon damals ein ausgeprägtes Qualitätsempfinden, und das obwohl die Weine in Literflaschen verkauft wurden. Die Wertschätzung dem Produkt und anderen Weinregionen gegenüber habe ich von ihm. Schon damals haben wir jeden Sonntag eine gute Flasche Wein zum Essen getrunken. Weine, die mein Vater mitgebracht hat und über die dann diskutiert wurde. Wir haben über den Tellerrand hinausgesehen. 

Du bist dann nach Klosterneuburg gegangen, hast Dein Verständnis für Wein weiter verfeinert. Wie darf man sich das vorstellen?

Die Schule in Klosterneuburg hat mein Vater für mich ausgesucht. Die Ausbildung war als Absicherung gedacht, falls ich es mit dem eigenen Betrieb nicht schaffen würde. Als mein Vater dann plötzlich starb, war die Befürchtung es nicht schaffen zu können, mein allergrößter Antrieb. Ich wollte ihm zeigen, dass es geht.

Wer oder was hat dich inspiriert?

Es war eine andere Zeit. Vieles musste ich mir selbst beibringen. Es gab ein vollkommen anderes Qualitätsverständnis. Der Wein war – ähnlich wie der Schnaps – ein Produkt dem man nicht viel Wertschätzung entgegengebracht hat. Man hatte kein Problem damit schlechte Trauben zu verarbeiten. Ich aber war der Meinung, dass man nur das verarbeiten dürfe, was man auch isst. Ich wollte nur Speisequalität verarbeiten. Der Unterschied war für die Menschen schnell spürbar. Der Aufstieg zum Qualitätsweingut ging dann ziemlich schnell.

Gab es, abgesehen von der Qualität, noch andere Erfolgskriterien? 

Ich habe relativ schnell bemerkt, dass die Vermarktung mindestens genauso wichtig ist wie das Weinmachen. Den Grundstein dafür hat unsere kleine Buschenschank gelegt. Durch die dort angebotene Qualität haben wir gute Leute herbekommen. Die Menschen haben Wein und Essen als Einheit erlebt. Da ist der Funke schnell übergesprungen, außerhalb des eigenen Betriebes war das deutlich schwieriger. Die Vorzeigebetriebe der Gastronomie, allen voran Willi Haider mit dem “Stündl in Graz und Heinz Reitbauer sen. in Wien, haben mir und den Weinen geholfen. Dadurch wurden wir national und später auch international sichtbar.”Mein Vater hat mir den Betrieb schmackhaft gemacht. Als er unerwartet starb, wollte ich ihm zeigen, dass ich von meiner Idee Wein zu machen leben kann.”

Es ging alles wahnsinnig schnell. Hattest Du selbst überhaupt noch ein Gespür für das Tempo?

Ich hab damals offen gestanden, alles genommen was ich kriegen konnte. Irgendwann hat die Erfolgsgeschichte dann eine Eigendynamik bekommen. Am Anfang hab ich sogar Plakate aufgehängt um meine Weine unter die Leute zu bringen. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Die ganze Aktion hat mir damals einen einzigen Kunden gebracht. Das war eine sogenannte “Abgabestelle” in Kärnten. Eine Mostschänke, die alle 3-4 Monate 1000 Liter Wein bekam. Das war schon recht ordentlich. Weil die Leute dann aber keinen Most mehr getrunken haben, haben sie damit wieder aufgehört. (schmunzelt)

40 Jahre sind eine lange Zeit. Man erlebt viel, trifft täglich Entscheidungen. Manche betreffen einen ausschließlich selbst, andere hingegen haben Auswirkungen auf das gesamte System. Würdest Du alles noch einmal ganz genauso machen?

Im Großen und Ganzen, ja! Allerdings kann man die damalige Zeit nicht in das Jetzt transferieren. Würde ich heute starten, gäbe es andere Voraussetzungen und Möglichkeiten. Als ich begonnen habe, hat man keinen einzigen Wein aus Achtel-Gläsern getrunken. Der Wildoner Tischler und späterer Betreiber des Jaglhofs, Herbert Hirtner hat mir 1981 vor Augen geführt, dass es für uns noch viel zu tun gibt. Das was ich damals machte, war vielleicht gute Trinkqualität, mehr aber auch nicht. Nur weil jemand ein gutes Schnitzel macht, ist er eben noch lang kein guter Koch. Seither hat sich viel getan. Einfacher ist es dennoch nicht geworden. 

Gibt es wirklich nichts was Du ändern würdest?

(überlegt kurz)
Ich würde ausschließlich auf Sauvignon Blanc setzen. Eine Rebsorte, das reicht. Damals habe ich zu sehr auf andere Menschen gehört, die meinten mit Sauvignon Blanc allein würde es nicht gehen. Heute würde ich das durchziehen. Ohne Wenn und Aber. 

Woher kommt diese Konsequenz und die besondere Beziehung zu Sauvignon Blanc?

Ich habe sehr früh erkannt, dass diese Rebsorte das Beste für die Region ist. Man konnte Qualität erzeugen und sich gegenüber anderen Regionen abgrenzen. Was die Haltbarkeit dieser Weine betrifft sind wir bis heute unerreicht. Klar, könnte man auch einen großartigen Burgunder machen, aber den gibt es anderswo auch. “Wenn Du erfolgreich sein willst, darfst Du nicht darauf hören was die Masse macht. Wer seiner Zeit voraus ist, ist deshalb immer auch ein wenig einsam.”

Ihr arbeitet gerade am Zieregg sehr kleinteilig. Das hat zur Folge, dass das Wissen über Sauvignon Blanc riesig ist. Steigt da nicht auch die Lust am Experiment?

Produktionstechnisch ist alles möglich. Da bleibt man definitiv neugierig und hat Spaß an der Arbeit. Vermarktungstechnisch schaut es ein wenig anderes aus. Da muss man sich überlegen, ob man so kleinteilig überhaupt vermarkten kann. Denn am Ende muss der Konsument die Weine verstehen. Da wäre es manchmal besser, man hätte überhaupt nur zwei Weine im Sortiment. (lacht) Die Kleinteiligkeit und die Konzentration auf eine Rebsorte haben aber ohne Frage zu einer Exzellenz geführt. Die sich daraus ergebenden Potentiale sind enorm. 

Eine Marke wie Tement ist immer in Bewegung. Armin, Stefan und Du seid starke Charaktere mit durchaus unterschiedlichen Sichtweisen. Wohin entwickelt sich das Unternehmen?

Wir versuchen gemeinschaftliche Entscheidungen zu treffen. Nur wenn sie keinen Aufschub dulden und eine Verzögerung dem Betrieb nur schaden würde, muss man oft alleine handeln. In meinem Fall betrifft das hauptsächlich den Weingarten. Wenn die Traube in Gefahr ist bleibt keine Zeit für Diskussionen. Im Keller ist das anderes.

Wie wichtig sind die unterschiedlichen Zuhänge innerhalb einer Familie? 

Ich war es immer gewohnt alles mit mir selbst auszumachen. Vergleiche mit anderen hab ich kaum zugelassen. Heute sind die Buben die, die sich entwickeln dürfen und müssen. Darin möchte ich sie unterstützen. Sie sollen das machen können, was sie im Kopf haben. Ich greife nur dann ein, wenn ich Schaden für die Familie oder das Unternehmen befürchte. 

Wie sieht das bei Grundsatzentscheidungen, wie beispielsweise der Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise aus?

Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich die Umstellung nicht auf einmal vollzogen. Für meine Söhne war das der Weg den sie in aller Konsequenz gehen wollten. Wir haben uns viele Jahre auf diesen Schritt vorbereitet. Wir mussten sattelfest sein, sonst hätten wir es nicht gemacht. 

Hast du je an der Umstellung gezweifelt?

Sicher gab es Phasen die schwierig waren. Dann, wenn man Lagen kaum halten kann, weil das Klima einem einen Strich durch die Rechnung macht. Langfristig werden wir diese Flächen nicht mehr bewirtschaften. Das würde keinen Sinn machen. Schließlich wollen wir kein mittelmässiges Ergebnis, bei größtmöglichem Aufwand. Wir machen vieles richtig, einiges müssen wir aber sicherlich noch nachschärfen. Armin und Stefan können sich auf mich verlassen. Sie wissen, dass ich ihnen nicht nur Vater, sondern auch bester Freund bin.

Einen Betrieb wie diesen aufzubauen macht nicht nur Freunde. Man steht im Fokus, bekommt Gegenwind und Kritik. Wie geht ihr damit um und wie behält man die wirklich wichtigen Dinge im Fokus?

Wichtig ist, dass man sich selbst treu bleibt. Was ich in jungen Jahren gemacht habe hat den Leuten zunächst auch nicht geschmeckt. Aber wenn Du erfolgreich sein willst, darfst Du nicht darauf hören was die Masse will. Da geht es Armin heute nicht anders. Unsere Weine waren über die Jahre konstant gut, das hat uns Vertrauen gebracht und ein paar Experimente zugelassen. Ein Vertrauensvorsprung der uns dabei hilft uns weiterzuentwickeln. Je einfacher ein Wein ist, desto kleiner ist die Bereitschaft der Kunden mit einem Unternehmen mitzugehen, je komplexer er ist, desto eher stößt man auf Verständnis für das was man vor hat. Man muss es nur erklären. Einfach nur zu tun und den Konsumenten damit allein zu lassen wäre der falsche Weg. 

Ihr habt noch viel vor, wollt Euch weiter entwickeln. Wie wichtig ist dabei der Familienzusammenhalt?

Wir reden viel miteinander. Verbringen Zeit miteinander und freuen uns, wenn wir zusammen sind. Das ist nicht selbstverständlich und zeigt mir, dass wir einiges richtig gemacht haben. Die Meinung des anderen anzuhören ist wichtig, es wäre falsch zu meinen, dass man immer recht hat. Genauso falsch wäre es aber, mit seiner Meinung hinter dem Berg zu halten. Wenn ich an die Arbeit meiner Söhne denke, dann erinnere ich mich daran wie ich mich damals gefühlt habe. Ich wollte mein Bestes geben. Da gibt es kein “richtig” oder “falsch”, es gibt nur ein “anders”. Zu Armin sage ich immer: “Einen besseren Freund als mich wirst Du nicht finden.” 

Wie geht es Dir dabei als Vater. Schließlich will man seine Kinder vor negativen Erfahrungen bewahren?

Das schwierigste als Vater ist, dass man sich manchmal einfach Sorgen macht. Diese Sorge darf man nicht immer artikulieren, denn es ist wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich möchte meine Kinder in dem was sie tun begleiten und behüten. Das gelingt mir manchmal besser und manchmal schlechter. Eines ist für mich aber immer klar gewesen: Hundertprozentig hinter dem zu stehen was sie tun. Denn wenn wir selbst nicht an unsere Arbeit glauben, wie soll es dann der Konsument tun.

Gibt es irgendetwas was Du unbedingt noch machen möchtest. Einen unerfüllten Traum, eine Sehnsucht?

Eigentlich würde ich gerne einen kleinen Weingarten für mich alleine haben. Ihn verstehen und bewirtschaften. Diese Idee habe ich aber erst einmal auf Eis gelegt. Jetzt geht es darum meine Kinder in ihrer Vorstellung vom Wein zu unterstützen. Mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass ihre Wünsche Realität werden können. Ich möchte Tement mit ihnen gemeinsam zu Ende denken. 

Interview: Barbara Klein
Bilder: Ingo Pertramer 

#Brothersinwine

Ein Gespräch zwischen Brüdern. Darüber, was sie verbindet und was sie trennt. Schließlich dient das Sortieren der eigenen Welt, dem Neuanfang, dem Verbessern der eigenen Perspektive.

Wie würdet ihr den jeweils anderen beschreiben?

Armin
Stefan hat ein unheimliches Gespür für Natur und Technik. Ein scheinbarer Widerspruch und eine Fähigkeit die ich sehr bewundere. Alles, was er tut, hat einen praktischen und logischen Zugang. Stefan denkt sich hinein, probiert aus und versteht. Dabei ist er kompromisslos und frei von jedem Zweifel.

Stefan
Armins Stärken liegen in seinen Visionen. Er weiß, wie etwas funktionieren kann und setzt es dann auch um. Das ist eine echte Gabe. Darüber hinaus hat er viel Gefühl für den Wein, die Reben, aber auch für die Menschen.

Tauscht ihr euch aus, oder laufen die Dinge mittlerweile ohnehin stillschweigend?

Armin
Wir sind die engsten Vertrauten, reden über alles und diskutieren viel. Auch über Dinge, über die wir mit anderen nicht reden würden. Das heißt, wir haben Geheimnisse (schmunzelt). In einer so engen Verbindung ist es aber auch nicht immer einfach zu akzeptieren, dass der andere etwas besser kann. Der hat bei uns dann nämlich auch das letzte Wort.

Welche Vision habt ihr für die Zukunft?

Stefan
Man ist nie fertig, denn Entwicklung ist ein steter Prozess. Den ganz großen Richtungswechsel haben wir hinter uns, jetzt geht es mehr und mehr um Feinabstimmung und darum, noch besser zu werden.

Armin
Wer in ständigem Austausch mit sich und seiner Welt ist, verändert sich unbewusst. Was unsere Eltern geschaffen haben, ist das Fundament. Was sie aufgebaut haben, wäre nach heutigen Maßstäben gar nicht mehr realisierbar. Für uns geht es darum zu bewahren, ohne dabei in der Vergangenheit zu leben.

Eure Art Wein zu machen hat sich verändert. Worauf liegt heute der Fokus?

Armin:
Wein ist nichts Statisches. Er entwickelt sich mit der Zeit, reift und verändert sich. Mit uns ist das nicht anders. Heute liegt unser Fokus mehr und mehr am Faktor Zeit. Der Geschmack eines Weines prägt sich in den ersten paar Monaten seines Ausbaus. In dieser Phase polarisiert der Wein, in den 2 bis 5 Jahren Fassreife findet er dann mehr und mehr seine Mitte. Er ruht in sich selbst.

Stefan:
Wir wollen noch mehr Eigenständigkeit erreichen, die Lagen noch stärker herausarbeiten. Keine „gemachten Weine“ in die Flasche füllen, sondern Authentizität und Herkunft. Das ist unser Verständnis von Tradition. Klar ist das immer auch eine Gratwanderung, an die man viele Kunden erst wieder heranführen muss.

Wie haben die Kunden auf die Veränderungen reagiert?

Armin:
Unsere Kunden sind unser größtes Potential. Sie sind immer offen geblieben. Genauso wie wir selbst. Viele Kunden sind den Weg von Anfang an mitgegangen, haben Tement für sich neu entdeckt. Natürlich gab es nicht immer nur positive Rückmeldungen. Nicht jeder war damit einverstanden, was wir machen, aber das wollen wir auch gar nicht. Wichtig ist, dass man Freude hat an dem was man tut und mit der Natur geht. Jedes Jahr ist anders, stellt andere Anforderungen. Wer da stur das macht, was er im Vorjahr gemacht hat, ist fehl am Platz.

Tradition kann auch Druck bedeuten. Wie geht ihr damit um?

Stefan:
So etwas wie Erfolgsdruck oder Erwartung verspüre ich nicht. Wenn man die Dinge konsequent macht, dann kann man eigentlich nichts falsch machen und hat sich auch nichts vorzuwerfen. Am Ende entscheidet dann sowieso die Natur.

Armin:
Unser Anspruch ist hoch, da macht man sich selbst schon auch manchmal Druck. Für uns ist es aber normal, sich am Limit zu bewegen. Das war immer so. Wir kennen es nicht anders. Wenn man liebt was man tut, ist das kein Problem. Das haben uns unsere Eltern vorgelebt. Genauso wie die Offenheit gegenüber Neuem und Anderem. Klar hat jeder von uns seine Höhen und Tiefen. In einer Familie kann man sich in solchen Momenten aber immer aneinander aufrichten.

Würdet ihr sagen, ihr seid mutig?

Armin:
Ja, denn sonst würden wir das hier nicht tun können. Wir machen es uns definitiv nicht einfach. Da braucht man schon eine ordentliche Portion Mut.

Stefan:
Gefällig zu sein ist nicht unsere Sache, vielmehr müssen wir hinter jedem Wein und jeder Entscheidung stehen können. Das ist der Anspruch. Feigheit hätte da keinen Platz.

Macht ihr abseits der Arbeit noch was gemeinsam, oder hat man irgendwann genug voneinander?

Stefan:
Armin würde wahnsinnig gern mit mir gemeinsam Radfahren. Aber das ist einfach nicht mein Ding. Der größte gemeinsame Nenner ist immer noch das Genießen und Verkosten. Und wir spielen Tischtennis. Wer von uns gewinnt, ist Tagesverfassung.

Wie steht es um eure Streitkultur?

Stefan:
Wir diskutieren viel, nehmen dabei aber selten etwas persönlich. Wir mögen einander, das macht es uns leicht. Natürlich wird auch gestritten. Dann, wenn es um was geht.

Armin:
Die Auseinandersetzung gehört dazu, schließlich geht es hier um Leidenschaft. Jeder muss seine Meinung sagen können. Darauf kommt es an. Es hilft dabei den anderen zu verstehen.

Euer Engagement auf der slowenischen Seite des Hügels feiert heuer 10 Jahre Jubiläum. Was bedeudet euch das?

Armin:
Ciringa war ein Traum. Eine großarige Lage, auf der wir uns uneingeschränkt ausprobieren durften. Zieregg ist viel kleinteiliger, aber natürlich auch gewachsener. Ciringa hat ganz andere Voraussetzungen. Eine grandiose Lage, die nur mit einer einzigen Rebsorte bepflanzt wurde. Wir konnten schnell viel bewegen, uns entwickeln und neue Wege gehen. Das wäre bei Zieregg so nicht gegangen. Das war gut für unser Selbstvertrauen.

Stefan:
Ciringa war eine Chance die wir ergriffen haben. Als wir die Flächen gekauft haben, lagen sie brach. Wein hat man dort zwar immer schon gemacht, allerdings waren es gemischte Weingärten. Die Böden die dort vorherrschen sind aber wie geschaffen für Sauvignon Blanc.

Warum sollten eure Kunden Ciringa trinken, wenn es doch Zieregg gibt?

Armin:
Ciringa ist der kleine Bruder vom Zieregg. Niederschwelliger, leichtfüssiger, unkomplizierter. Man könnte auch sagen, es ist unsere Spielwiese. Bei aller Wertigkeit sind die Weine vom Ciringa aber absolute Preis-Leistungs-Sieger.

Ein Projekt hat dieses Jahr besonders viel Aufmerksamkeit erregt. Die Terrassierung am Grassnitzberg. Was seht ihr ganz persönlich darin?

Stefan:
Der Grassnitzberg ist ein echtes Herzensprojekt. Wenn wir nicht daran glauben würden, würden wir uns das nicht antun. Soviel steht fest. Der Boden dort ist ideal, die Bedingungen sind in jeder Hinsicht extrem. Dafür bekommt man den atemberaubensten Sonnenaufgang den man sich vorstellen kann.

Armin:
Die Steilheit dort macht ehrfüchtig. Wir mussten den Hang terrassieren um ihn überhaupt bewirtschaftbar und zugänglich zu machen. Damit haben wir neue Lebensräume geschaffen. Für Eidechsen und Blindschleichen, Pappeln, Eichen, Weinreben und was hier sonst noch in den Himmel wächst. Den Lohn unserer Arbeit werden wir in diesem Leben nicht mehr ernten, aber darum ging es uns nicht. Uns ging es darum etwas zu schaffen, was der Region etwas zurückgibt.

Hat man den Wein der dort entstehen wird vorher im Kopf?

Armin:
Die Zusammensetzung des Bodens ist besonders. Braunerde und purer Felsen. Die Reben werden sich gefordert fühlen, aber genau das ist es was wir suchen. Vor zwei Jahren haben wir begonnen die besten Reben zu selektieren und zu veredeln. Heuer werden wir sie dort aussetzen. Den ersten Wein werden wir erst in fünf Jahren ernten. In meinem Kopf ist er karg, frisch, salzig und charakterstark. Der Weg dahin ist jedoch noch ein weiter.

Interview: Barbara Klein
Fotos: Ingo Petramer, Lukas Elsneg

Unsere Rieden

Auf steirischer, wie auch auf slowenischer Seite geht es uns stets darum Unterschiede herauszuarbeiten und Potentiale einer besondere Lage zu erkennen. Ein gehöriger Aufwand, aber unbedingter Bestandteil unserer Philosophie. Unserer kostbarsten Rieden sind hoch gelegen, nach Süd-Ost bis Süd-West ausgerichtet. In ihnen steckt all unsere Leidenschaft und Erfahrung. Die Trauben werden zum perfekten Zeitpunkt gelesen, spontan vergoren und in lagenspezifischen Fässern behutsam ausgebaut.

Kleinteilig und sortenspezifisch lagert in unseren Kellern die Vielfalt und ist damit individuelles Abbild von Herkunft. Seit einigen Jahren bewirtschaften wir unsere Weingärten nach biologischen Grundsätzen, gehören seit 2022 dem Demeter Verband an und sind Mitglied der Respekt Gruppe. Das Klassifizierungssystem der Südsteiermark DAC hat für ein weiteres Gütesiegel bei den Lagenweinen gesorgt. Die Bezeichnung als „Große STK Ried“, „Erste STK Ried“, und „STK Rieden“ ist damit nicht nur Ausdruck einzigartiger Weine, sondern Ausdruck besonderer Qualität.

Herkunft

Die Steiermark in ihrer Vielfalt und Besonderheit abzubilden ist kein Leichtes. Seit 2018 sorgt das Klassifizierungssystem Südsteiermark DAC nicht nur für Orientierung, sondern auch für besondere Qualität. Für Riedenweine, Ortsweine und Gebietsweine gilt seither nicht nur die Beschränkung auf bestimmte, mit dem jeweiligen Ort verbundene Rebsorten, sondern vor allem das Bekenntnis zur Handarbeit. Mehr unter www.steiermark.wine

Riedenweine

In diesen Weinen steckt die Kraft und die Schönheit einer einzelnen Lage. Privilegiert durch ihr besonderes Terroir entstehen Weine voller Individualität. Die Trauben werden selektiv und von Hand gelesen. Nur die besten Trauben werden zu diesen ausdrucksstarken und langlebigen Weinen vergoren.

Ortsweine

Jeder Weinbauort ist hinsichtlich seiner Lage, Seehöhe und Geologie einzigartig. Ortsweine sind Ausdruck dieser Einzigartigkeit. Die Rebsorten, die für diese Weine infrage kommen, sind aus Tradition mit dem Ort an dem sie wachsen verbunden. Sie sind die Basis für Ausdruck und Charakter.

Gebietsweine

Unsere Herkunft hat System. Die Gebietsweine betonen den Ort auf dem sie gewachsen sind. Es sind herkunftsbetonte, trockene Weißweine. Die Trauben einer Sorte und eines Gebiets, werden von Hand gelesen und mit Bedacht ausgebaut. Nach mindestens einem halben Jahr Kellerreife werden sie in die Flasche gefüllt.

Unsere Standards

Vor mehr als 15 Jahren haben wir begonnen die ersten Schritte in Richtung biologischer Landwirtschaft zu setzen. Nun befinden wir uns in der Umstellungsphase zur Biodynamie. Ein für uns logischer Schritt und ein Anfang ohne Ende. Jedes Jahr lernen wir dazu, beobachten die Natur und kommen ihr Stück für Stück näher. Wir verstehen unseren Betrieb als Form moderner Kreislaufwirtschaft in der Wein Teil eines Gesamtkonzepts ist. Partnerschaften mit Pferde- und Rinderbauern haben hier ebenso Platz, wie die Nutzung des Eigenwaldes zur Energiegewinnung. Wein als Lebenseinstellung.

Partnerschaften

Alfred Wermut

Von 1974 1979 drückten sie in Klosterneuburg gemeinsam die Schulbank, vierzig Jahre später vereint sie ein kreativer Blend aus ihren beiden Kellern erneut. Alfred (Alois und Manfred) – der neue Wermut von alten Freunden. Die Grundweine von Manfred Tement sind klassisch, feingliedrig, fruchtbetont, wie gemacht für diesen außergewöhnlichen Wermut voller Eleganz und Lebendigkeit.

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Arachon T. FX. T

Die drei Familien Szemes, F.X. Pichler und Tement schufen mit ihrer Vision ARACHON einen großen österreichischen Rotwein, in dem sie all ihr Know How und ihre Erfahrung vereinten.

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STK Winzer

Weine von unverwechselbarem Charakter zu vinifizieren und das Typische aus dem Terroir von Spitzenlagen herauszuarbeiten – dieses Ziel verfolgen die 12 STK Weingüter. Die Gruppe "Steirische Terroir- und Klassikweingüter" ist eine freie Vereinigung von Weingütern mit größtem Engagement für die regionstypische Weinkultur. Sie geht aus der Gruppe der "Steirischen Klassik-Winzer" hervor, die bereits 1986 gegründet wurde und ab 1993 den Begriff "Steirische Klassik" für frische und fruchtbetonte Weißweine aus den typisch steirischen Rebsorten geprägt und erfolgreich verbreitet hat.

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